interculturality.

Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.
(Johann Wolfgang von Goethe)

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 Auf die interkulturelle Vorbereitung wird im Zuge des Leonardo-da-Vinci-Projektes wird sehr großen Wert gelegt.

So besuchte auch ich eine interkulturelle Veranstaltung. Meine Eindrücke, sowie nützliche Links findet man im Folgenden:

Seminar:

Racial Profiling in der Polizeiarbeit

am 2. November 2011

beim Migrationsrat Berlin-Brandenburg                                    ____________________________________________

 Racial Profiling ist ein Begriff aus der US-amerikanischen Kriminalistik und bezeichnet die Fahndung nach rassischen Kriterien. Dies bezieht sich auf die Praxis der Polizei gezielt People of Color (PoC) verstärkt Kontrollen zu unterziehen, weil sie glauben, dass diese Menschen mit Migrationshintergrund eher in kriminelle Aktivitäten engagiert sind.

Problemfelder:

Welche Folgen hat es für einen Migrant/-innen und People of Colour, wenn die Senatsverwaltung für Inneres Kriminalitätsdelikte einer bestimmten Hautfarbe oder Herkunft zuordnet? Warum erwarten Polizisten/-innen laut einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen – Übergriffe eher von Seiten der Migranten/-innen und People of Colour, obwohl sie häufiger von „weißen Deutschen“ angegriffen werden? Welche Folgen ergeben sich für das gesellschaftliche Zusammenleben, wenn Menschen regelmäßig aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer Herkunft kontrolliert, abtransportiert oder des Platzes verwiesen werden?

Den Problemfeldern widmeten wir uns bei dem Projekt „Tage des interkulturellen Dialogs“. Mit zwölf Teilnehmern, die verschiedener nicht sein können wurde die Diskussionsrunde eröffnet.

Die Gleichstellung der Teilnehmer unabhängig von der Herkunft oder ihren religiösen Ansichten stand im Vordergrund. Für die Dialogrunde wurde die die Methode der Ohmschen Theorie angewandt – Zuhören, Respektieren, Artikulieren und in der Schwebe halten. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Teilnehmer, wurde die Diskussionsrunde eröffnet.

Anhand von Auszügen aus der Chronik der rassistischen Polizeigewalt wurde zunächst festgestellt in welcher Form „Racial Profiling“ in Deutschland auftaucht.

Da die meisten Teilnehmer in diversen Organisationen für Opfer rassistischer Polizeigewalt engagiert sind, entwickelte sich die Diskussionsrunde zum Anfang in eine antikapitalistische Richtung, welche das Staatssystem Deutschlands völlig in Frage stellte und die Organisationen Landes- und Bundespolizei an den Pranger rückte.

Die Kulturen prallten aufeinander – die Ansichten zwischen den People of Colour und den wenigen Deutschen in der Diskussionsrunde gingen auseinander.

Es kristallisierten sich klar und deutlich zwei Seiten heraus. Zum einen vertraten diejenigen ihren Standpunkt, die der festen Überzeugung sind, die Polizei würde bei ihrer Arbeit, die Machtinstrumente Gesetz und Waffengewalt schamlos gegen unschuldige Migranten ausnutzen und diese zu Unrecht verstärkt nach bestimmten Kriterien der polizeilichen Kontrolle unterziehen. Und auf der anderen Seite, diejenigen, die die Meinung vertreten, dass die Polizei lediglich nach Recht und Gesetz handelt und nur die Vorschriften beachten. Anfangs war es schwierig für mich, mich irgendeiner Seite komplett anzuschließen, da gerade ich, die ihre Ausbildung bei der Bundespolizei macht, beide Seiten sehr gut nachvollziehen kann.

Entscheidende Ereignisse, wie der 11. September 2001 spielten in der Diskussion eine große Rolle. Im Jahr 2001 wurden Feindbilder erschaffen, nach denen bestimmte Gesellschaftsgruppen verstärkt in den Augenschein der Öffentlichkeit geraten sind. Anhand dessen wird aufgezeigt, dass es sich hier um eine Zuschreibung von bestimmten Eigenschaften und darauf basierender Ungleichbehandlung oder Verfolgung handelt, die nicht in der Person des Betroffenen sondern in der durch Vorurteile geprägten Sichtweise des Täters begründet liegt.

Maßnahmen zur Bekämpfung von Rassismus dürfen nicht nur auf Menschen mit rechtsextremen politischen Einstellungen zielen, sondern müssen gesamtgesellschaftlich auf die Teile der Bevölkerung angelegt werden, die zu rassistischen Vorurteilen und Einstellungen neigen.

Es ist schwierig die Vorurteile in den Köpfen der Bevölkerung auszublenden. Die Dissonanz zwischen dem staatlichen Handeln auf Grundlage der freiheitlich demokratischen Grundordnung und der Wahrung der inneren Sicherheit und dem Gefühl der Migranten/-innen ungerecht behandelt zu werden scheint viel zu groß um eine realistische Perspektive für die Bekämpfung dieses Problems in Aussicht zu stellen.

Auch wenn die meisten Teilnehmer fest an ihren Prinzipien halten, dass Deutschland, insbesondere die Exekutive bestimmte Gruppen auf rassistische Art und Weise diskriminieren und der Problemherd nicht bei den Migranten liegt, sondern bei der Polizeiorganisation und dem hiesigen Aufenthaltsrechts, bin ich der Meinung, dass das Problem viel tiefgründiger liegt und es nicht einfach abzuschaffen ist. Jeder Staat und jedes Land dieser Erde handelt nach eigenen Prinzipien. Wenn ich mich entscheide in einem bestimmten Land zu leben, dann muss ich mich den Gegebenheit in diesem Staat fügen.

Betrachtet man es mit den Augen vieler Teilnehmer, die zum Beispiel aus Jordanien, der Türkei oder Arabien stammen, kann man die Angst derer vor polizeilichen Kontrollen oder gar Schikanen nachempfinden, denn wenn man aufgrund seiner religiösen Ansichten, seiner Hautfarbe oder Herkunft vermehrt schikaniert und kontrolliert wird, entsteht der Eindruck, dass sie fremd im eigenen Land sind. Die Chronik rassistischer Polizeigewalt dokumentiert genau solche ungerechtfertigten Übergriffe auf Migranten und beweist gleichzeitig, dass dies ein enormes Gesellschaftsproblem darstellt – für das es noch keine Lösung gibt.

Mein persönliches Fazit:

Nachdem sich die ganze Situation zu sehr in subjektive und persönliche Mitteilungen der Erfahrungen der einzelnen Teilnehmer ausgedehnt hat – und sich die Diskussionsrunde im Kreis dreht, ziehe ich innerlich mein eigenes Fazit.

Ich stehe immer noch mit einer Sache im Konsens – dem Schutz des Staates vor Gefahren von außen und innen gekoppelt mit dem Artikel 3 des Grundgesetzes – die Gleichbehandlung aller Menschen. Dies sind zwei Staatsziele, die in meinen Augen in Zeiten der multikulturellen Entwicklung sich schwierig miteinander vereinbaren lassen. Zum einen Stehen die Rechte der Menschen und zum anderen die Exekutive, die Anweisungen des Staates für die Wahrung der Sicherheit befolgt, in Konkurrenz. Andererseits kann es nicht sein, das ein Bürger egal welcher Abstammung oder welche Hautfarbe er besitzt, Angst vor seinem eigenen Volk hat und sich in Deutschland nicht wohlfühlt. Es ist aber ein Problem, was sich nicht nur in Deutschland befindet. Überall auf der Welt gibt es dieses „Racial Profiling“ – es ist in meinen Augen ein Problem, welches sich in einem schleichenden Prozess in Zeiten des Terrors in die Gesellschaftsstrukturen verankert hat. Nicht zu guter Letzt durch die Medien gepuscht.

In meinen Augen gibt es keine ideale Lösung. Und im Laufe der Diskussionsrunde musste ich auch feststellen, dass die Gruppe keine konkreten Lösungsvorschläge für das Problem finden konnte.

Prävention und die Unterstützung der Opfer polizeilicher Übergriffe stellt systematisch das Einzige da was man Fällen der rassistischen Diskriminierung verwirklichen kann. Und die Opfer müssen Mut haben, sich gegen Übergriffe zu wehren und eventuell strafrechtliche Verfahren einzuleiten. Jedoch geht der eigentliche Konfliktherd vom Staate als Verfassungsorgan einher. Dennoch bin ich der Meinung, das man die Organisation Polizei nicht als Ganzes bestrafen sollte, sondern die Ursachen bei einzelnen Personen suchen muss.

Botschaften aus dem Seminar (dokumentiert durch Teilnehmer):

  • alle Interventionsmöglichkeiten nutzen

  • Gedächtnisprotokolle bei Übergriff dokumentieren und KOP einschalten

  • Werbekampagnen

  • Rassismus ist nicht zu bekämpfen ohne den Kapitalismus zu bekämpfen

Nützliche Links:

http://www.oszbueroverw.de/InterkultVorb_Wsf_11_red.pdf

http://www.tage-des-interkulturellen-dialogs.de/

http://www.oszbueroverw.de/InterkultVorbAusland.pdf

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