adrenaline rush: ice climbing.

Pyhä. 67° 3′ 59“ N, 26° 58′ 25“ O. Ich stehe in einer Schlucht mitten in einem Waldgebiet rund 140 Kilometer von Rovaniemi entfernt. Der Blick ist auf diese außergewöhnliche Naturerscheinung gerichtet – einem gefrorenen Wasserfall des Tajukangaberges. Es scheint wie eine Panoramatapete. Diese steile Eiswand die sich vor mir in die Höhe streckt, hat etwas Beruhigendes und gleichzeitig scheint sie so mächtig zu sein. An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser. Man trifft täglich diese  kleinen Entscheidungen. Doch für die Fragen, die mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden müssen, bedarf es eine lange Bedenkzeit. Ich bin konsequent und in mir pocht diese innerliche Stimme: „Lass dich nicht abbringen, egal wie schwer es werden könnte.“ Man muss im Leben lernen zu vertrauen und auf sein Herz zu hören. Das Adrenalin steigt. Und übernimmt meinen ganzen Körper, während ich die ersten Meter des Wasserfalls des Tajukangaberges besteige. Eispickel für Eispickel, Steigeisen für Steigeisen kämpfe ich mich hoch. Es ist kraftaufwendig und an manchen Stellen findet man keinen Halt. In diesem Momenten rauscht dieses Kribbeln zwischen Unwohlsein und gleichzeitig der Drang nach Mehr durch meinen Körper. Der Ehrgeiz packt mich und ich will weiter und höher hinaus. Ein Blick in die Tiefe und der Abgrund öffnet sich. Ich hänge fest. Finde keinen Halt. Versuche den Eispickel erneut in die dicke Eisschicht zu hauen um weiter voran zu kommen, doch jedes Mal fliegen diese kleinen Splitter in mein Gesicht. Ich versuche mit den Beinen weiter zu arbeiten um ein Stück höher hinaus zukommen. Ich rutsche ab und pralle gegen die Eiswand. Die Hälfte ist geschafft und so langsam verlassen mich die Kräfte. Ich warte für einen kurzen Moment und atme tief durch. Dann geht es weiter. Wie ein Phönix der aus der Asche aufersteht. Ich liebe solche Herausforderungen mit dem gewissen Nervenkitzel. Ein Blick nach oben, das Ziel schon vor Augen. Die Wolken ziehen mit einer rasenden Geschwindigkeit vorbei.  Und ich kann noch gar nicht richtig glauben, was ich hier eigentlich tue. Ich hänge an einem gefrorenen Wasserfall irgendwo mitten in Finnland. Ich denke an ein Zitat von Mark Twain, dass mir seit meiner Schulzeit nicht mehr aus dem Kopf geht: „Wenn wir bedenken, dass wir alle ein bisschen verrückt sind, dann ist das Leben erklärt“. Das trifft es auf den Punkt. Verrückt. An der Spitze des Tajukangas angekommen, breite ich meine Arme aus und tue es den Vögeln gleich…!

_____________________________________________________________

Chris – denk an dich. ❤

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s